Potenzstörung bei Männern
Die erektile Dysfunktion (ED) ist ein häufig anzutreffendes Krankheitsbild, entweder als Erkrankung sui generis oder als
Komplikation. Aufgrund ihrer hohen Inzidenz und Prävalenz besitzt sie den Charakter einer Volkskrankheit.
Die Einführung neuer und hoch wirksamer oraler Substanzen in den letzten Jahren führten zu einem breiten Echo in der
Laienpresse. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, die erektile Dysfunktion aus der Tabuzone zu holen. Hierdurch wurde die
erektile Dysfunktion zu einer normalen Erkrankung, die häufig in der Allgemeinpraxis vom Patienten oder von seiner Partnerin
angesprochen wird. Zusätzlich sollten Ärzte aktiv Fragen zur Sexualanamnese stellen. Deswegen werden hier die wichtigsten
Grundzüge von Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie dargestellt. Heute ist jede Form der ED wenn auch nicht heilbar, so
aber doch therapierbar.
Die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Erektion ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele Einzelvorgänge nahtlos
zusammenwirken müssen. Um die vielen Möglichkeiten zu erkennen, die eine befriedigende Erektion verhindern können, muss man
sich einmal klarmachen, wie eine Erektion entsteht:
- Sinnliche Reize werden im Gehirn aufgenommen und bewertet.
- Vom Gehirn werden Nervenimpulse über das autonome Nervensystem (Parasympathikus) an den Penis gesendet.
- An den Nervenenden werden Neurotransmitter freigesetzt, die über eine komplexe biochemische Reaktionskette eine
Erschlaffung der glatten (nicht willkürlich beeinflussbaren) Schwellkörpermuskulatur bewirken.
- Durch das Erschlaffen der Schwellkörpermuskulatur werden die Hohlräume in den Schwellkörpern (corpora cavernosa)
größer und Blut strömt ein.
- Das einströmende Blut bewirkt eine Vergrößerung (Tumeszenz) des Penis. Da die Schwellkörper von einer festen Haut
(Tunica albuginea) umgeben sind, werden durch die Ausdehnung der Schwellkörper die Venen komprimiert. Damit wird der
Blutabfluss stark gedrosselt.
- Die vollständige Versteifung (Rigidität) wird durch eine Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur (Mm. ischiocavernosi)
erreicht. Dabei entstehen in den Schwellkörpern Blutdruckwerte, die größer als 400 mm Hg sein können.
Dieser Ablauf kann an vielen Stellen gestört sein. Dafür können körperliche (organische, physische) und seelische
(psychische) Ursachen verantwortlich sein. Generell geht man heute davon aus, dass Erektionsstörungen meist multifaktoriell
bedingt sind, also mehr als eine Ursache haben. Besonders eine klare Unterscheidung, ob Erektionsprobleme entweder organisch
oder psychisch bedingt sind, ist in vielen Fällen nicht möglich. Oft liegen organische und psychische Ursachen vor.
Da in unserer Gesellschaft Männlichkeit mit Potenz gleichgesetzt wird, führen auch ursprünglich rein organisch verursachte
Erektionsstörungen fast immer zu psychischen Problemen (Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls, Vermeidung von sexuellen
Aktivitäten, Versagensangst), die ihrerseits die Erektionsstörung verstärken und aufrecht erhalten können. Besonders die
Versagensangst führt schnell in einen Teufelskreis, aus dem der Mann ohne Hilfe keinen Ausweg findet: Angst und intensive
Selbstbeobachtung verhindern eine ausreichende Erektion, und das Erleben dieses "Versagens" erhöht die Angst.
Eine moderne Behandlung der erektilen Dysfunktion wird daher auch bei erkennbaren organischen Ursachen die psychischen
Probleme nicht aus dem Blick verlieren und gegebenenfalls parallel behandeln.
Lesen Sie mehr zu:
- Organische Ursachen von Erektionsstörungen
- Psychische Ursachen von Erektionsstörungen
- Medikamente als Ursache von Sexualstörungen
unter folgenden Links:
Quellen: Ärzteblatt.de,
Selbsthilfegruppe erektile Dysfunktion impotenz-selbsthilfe.de
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